Hamburg und Mountainbiken — fuer viele ein Widerspruch. Die Stadt ist flach, das stimmt. Aber direkt suedlich der Elbe, in den Harburger Bergen, verbirgt sich ein Trailrevier, das es mit mancher Mittelgebirgsregion aufnehmen kann. Bis zu 155 Meter Hoehe, dichte Buchenwaelder, sandige Abfahrten und technische Wurzelpassagen — wer hier noch nie gefahren ist, hat etwas verpasst. Als Hamburgs einziger MTB-Experte im Team habe ich die wichtigsten Trails fuer euch kartiert und getestet.
Das Revier: Schwarze Berge und Haake
Steckbrief
Trail-Netz: ca. 80 km fahrbare Wege und Trails
Hoehe: 30–155 m ue. NHN (Hasselbrack, hoechster Punkt Hamburgs)
Schwierigkeit: S0 bis S2 (einzelne Passagen S3)
Untergrund: Sand, Wurzeln, Laubwaldboden, vereinzelt Fels
Geeignet fuer: Mountainbike (Hardtail/Fully), Gravelbike (eingeschraenkt)
Ganzjahresrevier: Ja, im Winter Vorsicht bei Eis
Anfahrt und Einstiegspunkte
Die Harburger Berge erstrecken sich suedlich der Elbe zwischen Harburg, Neugraben und Rosengarten. Es gibt mehrere gute Einstiegspunkte:
- Parkplatz Karlstein (Cuxhavener Strasse): Zentraler Ausgangspunkt fuer die Haake und die Schwarzen Berge. Grosser Parkplatz, WC vorhanden.
- S-Bahn Neugraben (S3/S31): Von hier sind es nur 5 Minuten bis zum Waldrand. Perfekt fuer autofreie Anreise.
- S-Bahn Harburg: Etwas weiter, aber man durchquert den schoenen Harburger Stadtpark als Aufwaermrunde.
- Wildpark Schwarze Berge: Parken am Wildpark, dann direkt in den Wald. Gute Option fuer Familien, die Biken und Wildpark-Besuch kombinieren wollen.
Die besten Trails
1. Haake-Trail (Einstieg bei Karlstein)
Der Klassiker unter den Hamburger MTB-Trails. Der Haake-Trail fuehrt auf einem Hoehenzug durch alten Buchenwald und bietet eine Mischung aus flowig-schnellen Passagen und technischen Wurzelabschnitten. Die Gesamtlaenge betraegt etwa 4 km, mit einem Hoehenunterschied von rund 80 Metern.
Der Trail beginnt harmlos auf einem breiten Waldweg, verengt sich dann aber schnell zu einem echten Single-Trail. Die erste technische Passage kommt nach etwa 500 Metern: Ein Wurzelteppich auf leichtem Gefaelle, der bei Naesse richtig rutschig wird. Anfaenger sollten hier absteigen und schieben — kein Grund zur Scham, das machen auch Fortgeschrittene gelegentlich.
Das Highlight ist die „Sandkuhle“ — eine natuerliche Senke mit sandigem Boden und steilen Raendern. Hier kann man (auf eigene Gefahr) Kurventechnik ueben und kleine Spruenge wagen. Am Wochenende trifft man hier regelmaessig andere Biker.
2. Schwarze-Berge-Runde (12 km)
Die grosse Runde durch die Schwarzen Berge verbindet mehrere Trails zu einer zusammenhaengenden Tour. Start und Ziel am Wildpark. Der Weg fuehrt ueber den Hasselbrack (155 m), den hoechsten Punkt Hamburgs — ein eher unspektakulaerer Huegel im Wald, aber immerhin: Von hier geht es nur noch bergab.
Die Abfahrt vom Hasselbrack Richtung Sueden ist der technisch anspruchsvollste Abschnitt im gesamten Revier. Steiles Gefaelle, lose Steine, Wurzelstufen und enge Kurven — hier ist S2, stellenweise S3 angesagt. Ein Fully mit mindestens 120 mm Federweg ist empfehlenswert, ebenso Protektoren fuer Knie und Ellbogen.
Nach der Abfahrt folgt ein langer, flowig Abschnitt durch Nadelwald. Der Boden ist hier weich und federnd, die Geschwindigkeit hoch. Achtung: Der Trail kreuzt mehrfach Wanderwege. Bitte Ruecksicht auf Fussgaenger nehmen und Geschwindigkeit anpassen.
3. Kiekeberg-Schleife (8 km)
Eine mittelschwere Runde, die sich gut als Afterwork-Tour eignet. Start am Freilichtmuseum am Kiekeberg (ebenfalls einen Besuch wert!). Die Route fuehrt ueber huegelige Forstwege und eingestreute Trailabschnitte. Technisch weniger anspruchsvoll als die Schwarze-Berge-Runde, dafuer landschaftlich abwechslungsreich mit Blicken ueber das Suederelbische Huegelland.
4. Fischbeker Heide-Trail (6 km)
Streng genommen kein MTB-Trail im klassischen Sinn, aber eine lohnende Ergaenzung: Die Fischbeker Heide am Westrand der Harburger Berge ist ein Naturschutzgebiet mit sandigen Wegen durch Heide- und Duenenlandschaft. Im August, wenn die Heide blueht, ist die Fahrt durch das violette Meer ein unvergessliches Erlebnis. Achtung: Nicht alle Wege sind fuer Radfahrer freigegeben. Die ausgeschilderten Radwege sind aber vollstaendig befahrbar.
In den Harburger Bergen gibt es mehr Hoehenmeter als man denkt. Wer die grosse Runde komplett faehrt, kommt auf 400–500 Hoehenmeter — das ist mehr als manche Tour im Harz.
Ausruestung und Material
Die Harburger Berge sind kein Hochgebirge, aber die Trails stellen durchaus Anforderungen ans Material:
- Fahrrad: Hardtail mit 100–120 mm Federweg reicht fuer 90% der Trails. Fuer die technischen Abfahrten an den Schwarzen Bergen ist ein Fully mit 120–140 mm komfortabler. Gravelbikes sind auf den Forstwegen okay, auf den Single-Trails aber ueberfordert.
- Reifen: Mindestens 2.2 Zoll breit, griffiges Profil. Der sandige Untergrund erfordert guten Grip. Im Herbst bei nassem Laub auf Buchenwaldboeden sind breite, weiche Reifen Gold wert.
- Schutz: Helm ist Pflicht (sollte selbstverstaendlich sein). Fuer die technischen Abschnitte empfehlen wir Knieprotektoren. Handschuhe schuetzen bei Stuerzen und verbessern den Grip am Lenker.
- Werkzeug: Multi-Tool, Ersatzschlauch oder Flickzeug, Luftpumpe. Im Wald gibt es keinen Handyempfang fuer schnelle Hilfe.
Regeln und Ruecksicht
Die Harburger Berge sind ein beliebtes Naherholungsgebiet fuer Wanderer, Jogger und Reiter. Ein konfliktfreies Miteinander ist entscheidend dafuer, dass Mountainbiker hier weiterhin willkommen sind:
- Wanderer haben immer Vorfahrt. Klingeln und freundlich gruessen, nicht ueberraschend von hinten ueberholen.
- Keine illegalen Trails bauen oder bestehende Wege veraendern.
- Bei Naesse bleiben empfindliche Wege (besonders in der Fischbeker Heide) besser unbefahren.
- Muell mitnehmen — auch Energieriegel-Verpackungen und Trinkflaschen-Kappen.
- Hunde koennen ploetzlich auf den Trail laufen. In Hundebegegnungszonen besonders langsam fahren.
Saisonkalender
- Fruehling (Maerz–Mai): Wege trocknen ab, frisches Gruen. Achtung: Matschige Stellen nach der Schneeschmelze. Gute Zeit fuer Einsteiger.
- Sommer (Juni–Aug.): Trockene, schnelle Trails. Staub auf Sandpassagen. Beste Saison fuer technische Abfahrten. Im August: Heidebluethe in Fischbek.
- Herbst (Sept.–Nov.): Goldenes Licht, Farbenpracht im Buchenwald. Aber: Nasses Laub ist extrem rutschig. Grip-Reifen montieren! Pilz-Saison — Sammler kreuzen die Trails.
- Winter (Dez.–Feb.): Grundsaetzlich fahrbar, aber Frost und Eis machen Wurzelpassagen gefaehrlich. Fette Reifen mit niedrigem Druck helfen. Frueh starten, es wird schnell dunkel.
Bike-Waschanlagen und Service
Nach einer schlammigen Tour braucht das Rad eine Waesche. In der Naehe gibt es zwei Optionen: Die SB-Waschanlage an der Tankstelle Neugraben (Cuxhavener Strasse 248) hat einen Hochdruckreiniger, der auch fuer Fahrraeder genutzt werden kann. Alternativ bietet der Fahrradladen „Pedal Suederelbe“ in Harburg einen Wasch- und Werkstattservice an.
Unser Fazit
Die Harburger Berge sind ein Gluecksfall fuer Hamburger Mountainbiker. Natuerlich ersetzen sie keinen Alpen-Urlaub oder Bikepark — aber fuer die schnelle Runde nach Feierabend oder eine ausfuehrliche Samstagsfahrt bieten sie mehr, als man einer norddeutschen Grossstadt zutrauen wuerde. Die Mischung aus technischen Trails, flowig-schnellen Waldwegen und der Naehe zur Stadt macht die Harburger Berge zu unserem Lieblingsrevier fuer alles, was breite Reifen hat. Also: Protektoren an, Sattel runter und ab in den Wald!