Der Elbe-Radweg ist Deutschlands beliebtester Fernradweg — und der Abschnitt durch Hamburg gehoert zu den abwechslungsreichsten der gesamten 1.220-Kilometer-Strecke von Tschechien bis Cuxhaven. Auf rund 55 Kilometern erlebt man hier alles, was den Elbe-Radweg ausmacht: Obstplantagen, Hafenkulisse, Elbstraende und weite Marschlandschaft. Wir haben den Hamburger Abschnitt in beide Richtungen abgefahren und berichten hier ueber jede Etappe.
Der Hamburger Abschnitt im Ueberblick
Steckbrief
Laenge: ca. 55 km (Wedel/Altes Land bis Geesthacht)
Schwierigkeit: Leicht bis mittel — ueberwiegend flach, einige unbefestigte Abschnitte
Dauer: 3–5 Stunden (je nach Tempo und Pausen)
Geeignet fuer: Tourenradler, E-Bikes, bedingt Rennrad (Abschnitte unbefestigt)
Beste Jahreszeit: Mai bis September (Obstbluete im Mai besonders schoen)
Etappen: Gut teilbar in 2–3 Tagestouren
Etappe 1: Altes Land und Finkenwerder (15 km)
Wer von Westen kommt, erreicht Hamburg durch das Alte Land — Europas groesstes zusammenhaengendes Obstanbaugebiet. Im Mai verwandeln sich die endlosen Apfel- und Kirschplantagen in ein weisses Bluetenmeeer, das allein die Reise wert ist. Der Radweg fuehrt hier auf dem Elbdeich entlang, mit weitem Blick ueber den Fluss auf der einen und die Obsthoefe auf der anderen Seite.
In Cranz, dem oestlichen Tor zum Alten Land, gibt es eine Faehre ueber die Suederelbe nach Blankenese. Wer die Nordroute bevorzugt, setzt hier ueber. Wir empfehlen jedoch, auf der Suedseite zu bleiben und ueber Finkenwerder weiterzufahren. Der ehemalige Fischerort hat sich seinen doerflichen Charme bewahrt, und die Gorch-Fock-Strasse mit ihren Backsteinhaeusern und dem kleinen Hafen ist einer der malerischsten Punkte der gesamten Route.
Faehre Finkenwerder – Landungsbruecken
Ab Finkenwerder nimmt man die HADAG-Faehre Linie 62 zu den Landungsbruecken. Die Ueberfahrt dauert etwa 30 Minuten, ist im HVV-Tarif enthalten und bietet ein Hafenpanorama, das man sonst nur von teuren Bootstouren kennt. Die Fahrradmitnahme ist kostenfrei, allerdings kann es am Wochenende in der Hochsaison eng werden — wir empfehlen, nicht die letzte Faehre zu nehmen.
Etappe 2: Hafen und Elbmeile (12 km)
Von den Landungsbruecken aus folgt man der Elbe flussabwaerts Richtung Westen. Dieser Abschnitt ist der urbanste und gleichzeitig spektakulaerste Teil der Route. Man faehrt direkt am Wasser entlang, vorbei an den Docks von Blohm+Voss, dem Fischmarkt und der Strandperle — Hamburgs beruehmtestem Strandkiosk.
An der Strandperle mit einem Alsterwasser in der Hand die Containerschiffe vorbeiziehen lassen — es gibt keinen besseren Weg, Hamburg zu verstehen als von diesem Sandstrand aus.
In Oevelgoenne passiert man den Museumshafen mit historischen Segelschiffen und erreicht dann den Elbstrand von Othmarschen. Bei Ebbe kann man hier auf dem festen Sand fahren, aber Vorsicht: Der Tidenhub betraegt ueber drei Meter, und bei auflaufendem Wasser wird es schnell eng am Deichfuss.
Weiter westlich folgen die Treppenviertel von Blankenese — Hamburgs Antwort auf die ligurische Kueste. Das Viertel selbst ist fuer Radfahrer eine Herausforderung (Treppen!), aber vom Elbweg unten hat man einen fantastischen Blick nach oben auf die weissen Villen im Gruen.
Etappe 3: Rissen bis Wedel (10 km)
Ab Rissen wird es wieder laendlicher. Der Weg fuehrt durch das Naturschutzgebiet Wittenbergener Heide, eine einzigartige Elbduenenlandschaft mit seltenen Pflanzen und Insekten. Im Fruehsommer blueht hier der Ginster und taucht die Landschaft in ein leuchtendes Gelb.
In Wedel markiert die Schiffsbegruesungsanlage Willkomm-Hoeft den westlichen Rand des Hamburger Abschnitts. Jedes Schiff, das den Hamburger Hafen anlaeuft oder verlaesst, wird hier mit Nationalflagge und -hymne begruesst — ein weltweit einmaliges Ritual, das seit 1952 besteht. Die Terrasse des angeschlossenen Restaurants bietet Platze direkt am Wasser und ist ein perfekter Pausenort.
Etappe 4: Oestlich — Kirchwerder bis Geesthacht (18 km)
Auf der anderen Seite der Stadt, oestlich des Zentrums, fuehrt der Elbe-Radweg durch die Vier- und Marschlande Richtung Geesthacht. Dieser Abschnitt ist deutlich ruhiger als die Westroute und fuehrt ueberwiegend auf dem Elbdeich entlang. Die Landschaft ist von Marschwiesen, Entwasserungsgraeben und vereinzelten Gehoeften gepraegt.
In Zollenspieker gibt es eine historische Faehre ueber die Elbe sowie ein beliebtes Ausflugslokal. Von hier aus sind es noch etwa 12 km bis Geesthacht, wo das Elbe-Stauwehr den Uebergang von der Tide-Elbe zur Oberelbe markiert. In Geesthacht gibt es einen S-Bahn-Anschluss (Linie S21) zurueck nach Hamburg.
Praktische Tipps fuer den Hamburger Elbe-Abschnitt
- Wind: Die Elbe ist eine Windschneise. Bei Westwind (der haeufigsten Windrichtung) ist die Ost-West-Richtung deutlich angenehmer. Pruefen Sie die Windvorhersage vor der Tour.
- Gezeiten: Einige Abschnitte zwischen Blankenese und Wedel liegen im Tidebereich. Bei Sturmflut-Warnungen koennen Deichtore geschlossen sein. Informieren Sie sich vorab ueber den Wasserstand.
- Faehren: Die HADAG-Faehren sind integraler Bestandteil der Route. Planen Sie Wartezeiten ein, besonders am Wochenende. Die Fahrplaene finden Sie auf hvv.de.
- Untergrund: Etwa 70% asphaltiert, 30% wassergebundene Decke oder Kopfsteinpflaster. Breite Reifen (mindestens 32 mm) sind empfehlenswert.
- Einkehr: Strandperle (Oevelgoenne), Engel (Neumuehlener Faehrhaus), Zollenspieker Faehrhaus, Willkomm-Hoeft (Wedel). Im Alten Land zahlreiche Obsthoefe mit Hoflaeden.
Unser Fazit
Der Hamburger Abschnitt des Elbe-Radwegs bietet eine Vielfalt, die man auf so kurzer Strecke selten findet. Obstgaerten, Welthafen, Elbstraende, Naturschutzgebiete und Marschland — hier verdichtet sich Norddeutschland auf 55 Kilometer. Wer die komplette Strecke an einem Tag schaffen will, sollte frueh starten und gut bei Kraeften sein. Wir empfehlen aber, sich mindestens zwei Tage Zeit zu nehmen und die zahlreichen Einkehr- und Pausenmoeglichkeiten zu nutzen. Hamburg hat es nicht eilig — und am Elbe-Radweg erst recht nicht.